Schmerz der Seele

Medien Board :: 

 ::   :: Archiv

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

Schmerz der Seele

Beitrag  Silent am 20.05.10 21:50

  • Title: Schmerz der Seele
  • Genre: Drama
  • Main Characters: Jackson
  • Chapters: 1
  • Rating: R
  • Notes:
Mein Beitrag zur Forenchallenge
avatar
Silent
Having way too much fun


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Schmerz der Seele

Beitrag  Silent am 20.05.10 21:52

„Sie haben nicht die geringste Ahnung.“
Seine Stimme bebte. Unterdrückter Zorn, Wut gepaart mit quälender Furcht schwang unheilvoll in seinen Worten mit. Nervös wippte sein Bein. Die Kontrolle seiner Hände war ihm völlig entglitten, doch dies war Jackson nicht bewusst. In einem Moment lagen sie ruhig auf seinem Schoss, im nächsten glitten sie durch seine blonden, ungepflegt wirkenden Haare oder streiften über seine Oberschenkel.
„Nicht die Geringste“, fuhr er fort, unfähig den Augenkontakt zu seiner Gegenüber aufrecht zu halten. Unbeholfen, fast hilfesuchend, ließ Jackson seinen Blick wandern, musterte einen Augenblick den teuren Parkettboden unter seinen Turnschuhen, die abstrakten Bilder an der Wand im Hintergrund, den kleinen ovalen Glastisch zwischen ihm und der Frau, die ruhig, beobachtend und abschätzend ihm Gegenüber Platz genommen hatte.
Jacksons Emotionen spielten verrückt. Sein Magen rebellierte, schien zu einem bleiernen Felsbrocken anzuwachsen. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn, floss über seinen Rücken, obwohl die Temperatur im Raum angenehm, beinahe etwas zu kühl war. Der Gedanke an Flucht brannte sich in sein Gehirn, der Wunsch aufzuspringen, aus dem Zimmer zu rennen und all dies hinter sich zu lassen, einfach zu vergessen.
„Sie fühlen sich unwohl“, stellte die Frau trocken fest, kritzelte einige Stichpunkte in ihren Notizblock welcher auf ihren übereinandergeschlagenen Beinen ruhte. „Haben Angst. Das ist Verständlich.“
„Angst?“ nickte Jacksons Haupt zustimmend, obwohl Ironie den Klang seiner Stimme beherrschte. Sein Blick glitt flüchtig über die Fassaden der Gebäude jenseits der großen, lichtfreundlichen Fenster des Zimmers bevor er seine Gegenüber mit seinen stahlgrauen Augen fixierte. Furcht zeichnete eben noch seine Mimik. Nun funkelte kalter, blanker Hass in seinen Pupillen. „Sie haben keine Ahnung Doc. Es übersteigt ihre Vorstellungskraft.“
„Erklären sie es mir!?“
„Erklären?“ umspielte ein verächtliches Lächeln Jacksons Mundwinkeln. „Es gibt keine Angst die vergleichbar ist. Eine Phobie ist nichts. Gar nichts. Es ist reine Hilflosigkeit, eine absolute, pure Machtlosigkeit, man ist völlig ausgeliefert. Man fühlt sich schmutzig, angewidert, unbedeutend. Man ist Zornig, aber nicht gegen die Person die Einem dies antat. Man ist zornig auf sich selbst.“
„Wieso auf sich selbst?“ hielt sie weitere Stichpunkte in ihrem Notizblock fest.
„Weil ich“, begann Jackson zu stottern, brach erneut den Blickkontakt ab, schien nach einem Anker zu suchen auf dem er seine Konzentration richten konnte. „Weil ich...!“
„Jackson“, legte die Frau ihre Notizen auf den gläsernen Tisch ab, rutschte auf die Kante ihres weißen Ledersessels, beugte sich ihrem Patienten entgegen. Ruhig, mitfühlend klang ihre weiche Stimme, wenngleich Jackson sie als heuchlerische, gespielte Fürsorge empfand. „Sie haben keine Schuld. Das, was ihnen angetan wurde, war nicht ihre Tat. Sie waren das Opfer! Sie haben keinen Grund auf sich selbst wütend zu sein.“
„Ich hätte es verhindern müssen“, platzte es aus ihm hervor.
„Sie waren ein Kind!“ konfrontierte sie ihn mit Fakten. „Wie hätten sie dies verhindern können?“
„Ich weiß nicht!“ rang Jackson mit der Nässe in seinen Augen. Sein Kinn begann zu flattern. Dünn klangen seine Worte.
„Sie hatten Todesangst!“
„Nein!“ kämpfte er mit seinen Gefühlen, die mehr und mehr die Oberhand gewannen. „Ganz im Gegenteil. Man wünschte, man wäre gestorben.“
Die Psychiaterin strich eine ihrer langen Strähnen ihrer roten Haare aus ihrem Gesicht, setzte sich wieder bequem in ihren Sessel, musterte ihren Patienten mit durchdringenden grünen Augen. Blass wirkte Jackson auf sie, abwesend, nach Worte suchend. Deutlich rang er mit seinen Emotionen, unterdrückte diese krampfhaft.
„Wieso?“
„Damit der Schmerz endlich aufhört!“ konnte er erste Tränen nicht zurückhalten. „Jede Nacht wache ich auf. Jede Nacht höre ich sein Keuchen. Jede Nacht spüre seinen heißen Atem. Jede Nacht spüre ich den Schmerz. Wie er mich festhält. Meine Arme bricht. Wie er in mich...!“
„Wie er in sie eindrang?“ beendete die Frau Jacksons unvollständigen Satz. Er nickte stumm. Seine Gesichtszüge entglitten ihm völlig. Selbst sein geschundener, schmächtiger Körper schien noch mehr in sich zusammenzusacken. „Ihre Mutter? Hat sie von all dem nichts bemerkt?“
„Meine Mutter“, wiederholte Jackson. „Wie denn? Ohne Alk konnte sie nicht einmal Kaffee kochen. Jeden verfluchten Tag war sie betrunken. Jeden Tag ließ sie sich vollaufen bis sie umkippte. Und ich, ich war an allem Schuld. War kein Bier im Haus, kein Essen auf dem Tisch, keine Wäsche gemacht bekam ich ihre Launen zu spüren. War sie nicht mehr ansprechbar, kam er zu mir. Welcher Vater tut seinem Sohn so etwas an? Welcher Vater vergewaltigt sein eigen Fleisch und Blut?“

Silent
avatar
Silent
Having way too much fun


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Schmerz der Seele

Beitrag  Nelly am 23.05.10 7:19

Ich hatte dir ja ein ausführliches Review versprochen und genau das möchte ich dir geben.

Silent schrieb: Seine Stimme bebte. Unterdrückter Zorn, Wut gepaart mit quälender Furcht schwang unheilvoll in seinen Worten mit.
Sehr schöner Satz. Gefällt mir gut.
Silent schrieb: „Nicht die Geringste“, fuhr er fort, unfähig den Augenkontakt zu seiner Gegenüber aufrecht zu halten.
Silent schrieb: Die Kontrolle seiner Hände war ihm völlig entglitten, doch dies war Jackson nicht bewusst. In einem Moment lagen sie ruhig auf seinem Schoss, im nächsten glitten sie durch seine blonden, ungepflegt wirkenden Haare oder streiften über seine Oberschenkel.
Meiner Meinung nach ist der Übergang zwischen den beiden Sätzen hier nicht wirklich gelungen. Hat mich ein wenig gestört weil ich das Gefühl hab der Inhalt des ersten und zweiten Satzes überschneidet sich ein wenig.
Ich würde schreiben:
Jackson realisierte nicht, dass ihm die Kontrolle über seine Arme völlig entglitten war, während er unruhig durch seine blonden, ungepflegt wirkenden Haare strich.
Silent schrieb:Unbeholfen, fast hilfesuchend, ließ Jackson seinen Blick wandern, musterte einen Augenblick den teuren Parkettboden unter seinen Turnschuhen, die abstrakten Bilder an der Wand im Hintergrund, den kleinen ovalen Glastisch zwischen ihm und der Frau, die ruhig, beobachtend und abschätzend ihm Gegenüber Platz genommen hatte.
Wow. Das ist ein gewaltiger Satz der sehr viel Information enthält. Ich als Leser musste mich sehr konzentrieren und den Satz zwei Mal lesen ehe ich in verstanden habe. Ich würde dir raten, den Satz in zwei Teile zu teilen, damit es nicht so schwer fällt ihn zu verstehen.

Silent schrieb: „Es gibt keine Angst die vergleichbar ist. Eine Phobie ist nichts. Gar nichts.
Hier würde ich 'Gar nichts' eher streichen. Damit wolltest du vermutlich deine Aussage unterstreichen, was es definitiv tut aber literarisch gesehen ist es nicht wertvoll.
Silent schrieb:Es ist reine Hilflosigkeit, eine absolute, pure Machtlosigkeit, man ist völlig ausgeliefert. Man fühlt sich schmutzig, angewidert, unbedeutend. Man ist Zornig, aber nicht gegen die Person die Einem dies antat. Man ist zornig auf sich selbst.“
Dieser Satz ist wirklich gut ausgewählt und die Emotionen stiegen ungefiltert in einem auf. Man versteht diese Person. Fühlt mit ihr mit.
Silent schrieb:„Wie hätten sie dies verhindern können?“ „Wie hätten sie dies verhindern können?“
Hier will mir 'dies' nicht so recht gefallen. Ich würde stattdessen ein 'das' benutzen weil ich finde, dass es in einer wörtlichen Rede natürlicher wirkt. Wenn es außerhalb einer wörtlichen Rede stehen würde würde, wäre dies ebenfalls meine erste Wahl.
Silent schrieb:„Jede Nacht wache ich auf. Jede Nacht höre ich sein Keuchen. Jede Nacht spüre seinen heißen Atem. Jede Nacht spüre ich den Schmerz. Wie er mich festhält. Meine Arme bricht. Wie er in mich...!“
Für mich definitiv die beste Stelle an deiner Gesichte. Ich habe ehrlich mitgefühlt und konnte es kaum erwarten weiterzulesen.

Silent schrieb:Welcher Vater tut seinem Sohn so etwas an? Welcher Vater vergewaltigt sein eigen Fleisch und Blut?“

Ein schöner Abschluss und die Bestätigung deiner bisherigen Andeutungen. Sehr gelungen.


Fazit: Das Thema ist wirklich brisant und ohne Happyend noch viel schockierender. Gut inszeniert.
Ich denke jeder Leser ist nach deinen letzten Worten erst einmal volkommen geschockt, aber ich mag diese besondere Wirkung die die Sätze auf einen haben. Du solltest sie auf keinen Fall ändern.

Ich hoffe, dass ich dir weiterhelfen konnte.
Danke für diese schönen Minuten des Lesens. :smile:
Lg Nelly
avatar
Nelly
One of the most important people in the world


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Schmerz der Seele

Beitrag  Silent am 23.05.10 15:44

Hallo
Nelly,...

Danke
für Deine Analyse dieser kleinen Geschichte...

Aber,
um der Wahrheit die Ehre zu geben,... ich bin selbst etwas Kritischer mit dem Geschreibsel
von mir und bin absolut unzufrieden mit dem was ich hier auf virtuelles Papier
gebracht habe.

Nach Jahren ohne Zeit für dieses Hobby – klingt wie ne schlechte
Entschuldigung, ich weiß – bin ich offenbar eingerostet und hab meinen alten
Stil noch nicht wieder finden können.

Ich,
für mich Persönlich, werte Schmerz der Seele als „Warmschreiben“ und werde
sicher noch ein zweites Szenario bringen das mich hoffentlich zufriedener
stellt.

Silent
avatar
Silent
Having way too much fun


Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Re: Schmerz der Seele

Beitrag  Gesponserte Inhalte


Gesponserte Inhalte


Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben


Medien Board :: 

 ::   :: Archiv

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten